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  • AutorenbildNailhead Magazine

MODECENTER: "WIR LIEBEN LAUTE MUSIK"



Modecenter ist eine österreichische post-punk/crisis-rock Band die keinen Wert auf musikalische Normen und Strukturen setzt. Mit viel Noise und Krawall befördern sie ihre Hörer in ein OHRgasmisches Dilirium. "Der Lärm gehört einfach dazu", wie sie selber sagen.

Ich durfte David von Modecenter exklusiv ein paar Fragen zur Band und ihrer Musik stellen.


Nailhead Magazine: Zu Beginn, wer seid ihr und welche Rolle (welches Instrument) übernehmt ihr jeweils in der Band?


David von Modecenter: Modecenter ist David (Gitarre/Gesang), Dieter (Bass), Hannes (Schlagzeug) und Michl (Gitarre).


Nailhead Magazine: Wie habt ihr euch kennengelernt?


David: Ich habe Hannes und Michl 2016 kennengelernt, nachdem ich auf Facebook einen Post in einem Punk-Forum gefunden hatte. Zunächst haben wir dann die Band Loather gegründet. Wir hatten anfangs nur zwei Gitarren und keinen Bass, später kam dann Tim am Bass dazu, der jedoch aus stilistischen Gründen wieder ging. 2018/2019 kam schließlich Dieter als Bassist dazu. Irgendwann gründeten wir dann Modecenter, als Kontrast zur dunklen und ernsteren Musik die wir mit Loather spielten. Eigentlich war es eine spontane Geschichte.


Nailhead Magazine: Wie lange macht ihr schon zusammen Musik?


David: Michl und Hannes sind Cousins und spielen bereits seit ihrer Kindheit miteinander. In unserer jetzigen Besetzung gibt es uns seit 2019.


Nailhead Magazine: Wie sieht euer Songwriting-Prozess aus?


David: Das kommt darauf an. Viele Songs entstehen aus einzelnen Riffs, die bei Jams entstehen und dann hängen bleiben. Manchmal bringen wir auch fertigere Ideen und arbeiten dann gemeinsam an den Strukturen. Am wichtigsten ist dass es zu uns passt und nicht zu kompliziert wird. Für unser erstes Album war das Songwriting relativ spontan und instinktiv, bei unserer nächsten EP, die dieses Jahr rauskommt, ist das dann schon etwas anders. Ich bin ein großer Fan von simplen aber effektiven Songs, die eine Stimmung oder Attitüde vermitteln die man spüren kann. Manchmal entsteht sowas sehr einfach, manchmal muss man daran auch etwas tüfteln. Vor allem das Schreiben der Texte und die Art, wie der Gesang die Texte interpretiert macht dann auch einen bestimmten Anteil des Prozesses aus.


Nailhead Magazine: Eure Musik enthält viel Noise und jeder Song ist ein neues Erlebnis. Wie würdet ihr euren Sound selber beschreiben?


David: Crisis-Rock. Krisen-Rock. Irgendwie sind Genre-Bezeichnungen für die eigene Band sinnlos; nimmt man sie selbst vor dann ist es vermessen, benennen es andere Leute dann fühlt es sich oft falsch an. Wir hoffen dass wir Leuten beim Hören unserer Musik und bei den Konzerten etwas bieten können, das irgendwie hängen bleibt. Noise bzw. Lärm gehört für uns dazu, das ist gar kein spezieller Fokus. Wenn du laute Gitarren hast dann hast du auch Feedback. Wir hängen uns aber auch nicht auf irgendwelchen Begriffen auf. Am liebsten sind wir einfach wir selbst, und natürlich spielen wir auch gerne laut. Wir lieben laute Musik.



Nailhead Magazine: Zuletzt habt ihr ein Musikvideo zu einem David Bowie Cover released, würdet ihr sagen er zählt zu euren Inspirationen? Wer bzw. welche Künstler würdet ihr sonst noch zu euren musikalischen Einflüssen zählen?


David: Er ist ganz klar einer meiner Favoriten, und auch die anderen in der Band schätzen sein Werk und was er hinterlassen hat. Einige andere Einflüsse sind: Joy Division, Mobb Deep, Nina Simone, Viagra Boys, Charles Mingus, The Stooges, Jimi Hendrix, Earth, Jim Jarmusch, The Fall, Kraftwerk, Neu!, Blur, Darkthrone, Velvet Underground, Metallica, und viele andere für die hier kein Platz ist.


Nailhead Magazine: 2019 gab es die ersten Tapes zu eurem Album „Mode für Jung und Alt“ und im Sommer 2021 den Release vom „Modecenter“ Album. Wie unterscheidet sich das neue Album vom alten?


David: Das Tape ist eigentlich unser erster Jam, spontan mit einem kleinen Zoom-Gerät aufgenommen. Es gab damals keine Vorgaben oder Ideen, das war alles an einem Abend improvisiert und kam dementsprechend auch direkt vom Herzen - das hört man unter anderem auch in den spontanen Schreien und Rufen die in der Ekstase durch den Raum schallen. Ich hör es mir gerade nochmal an und bin überrascht wie gut der Sound im Endeffekt trotzdem geworden ist.


Das Album besteht aus Songs die wir gemeinsam geschrieben und geprobt hatten, obwohl hier auch noch viel Feinheiten im Studio bei der Aufnahme passiert sind. Es war aber im Großen und Ganzen mehr Planung und Intention dahinter, natürlich immer auch mit unserem typischen Chaos - last minute Änderungen in den Minuten bevor man aufnimmt oder sogar im Recording-Raum zwischen den Takes. Als wir zuerst mit Werner Thenmayer ins Studio gingen hatten wir eigentlich nur 5 Songs, die wir live aufgenommen haben. In kürzester Zeit gab es dann noch 4 weitere, die dann in einer zweiten Session dazukamen. Hier war auch ein pures Live-Recording angedacht, allerdings war es mit den Vocals teilweise etwas schwer, darum wurden dann die meisten von dieser Session später erneut eingesungen. Mind Eraser war der letzte Song - ich hab ihn zuhause geschrieben und dann den Jungs gezeigt. Gemeinsam haben wir dann das Stück vom Album daraus gemacht.


Nailhead Magazine: Mit dem neuen Album habt ihr viele verschiedene Sounds ausprobiert - warum denkt ihr, dass das wichtig ist und wie habt ihr den Sound für das Album gefunden?


David: Den einen bestimmten Sound gab es für uns nicht und wird es wohl auch nie wirklich geben. Wir toben uns gerne aus und probieren unterschiedliche Sachen. Es gibt in der Band keine wirklich harten Grenzen oder musikalische Regeln. Deswegen wohl auch der bunte Sound. Warum die Produktion so klingt, wie sie klingt, hat auch viel mit Werner zu tun, der uns allen bei der Studio-Experience geholfen hat und auch den rauhen, räumlichen Sound bewerkstelligte, den wir uns alle vorgestellt haben.


Nailhead Magazine: Welche Lieder von euren bisherigen Veröffentlichungen sind eure Favorites und warum?


David: Es ist schwer Lieblingssongs zu nennen, da für mich der Reiz eines Songs sehr darunter leidet ihn - wie es zum Beispiel während der Produktion und des Mixings unseres Albums war - immer und immer wieder zu hören. Das raubt eine gewisse Magie. Im Gegensatz dazu ist es beim live spielen der Songs dann wieder möglich einen kreativen Zugang zu ihnen zu finden und den jeweiligen Charakter neu zu entdecken bzw. eine neue Beziehung dazu aufzubauen. "Grease" ist sicher einer meiner Favorites, da er auch live eine tolle Energie entfalten kann und einfach viel Spaß macht.


Nailhead Magazine: Ihr seid nun schon länger in der Musikszene unterwegs, wenn ihr eine Sache daran ändern könntet, was wäre das?


David: An der Musik-Szene an sich: gar nichts. Die ist, wie sie ist. Es gibt gute Bands, es gibt schlechte Bands, es gibt sehr viel dazwischen. Die guten Leute finden sich irgendwie, oder es ist zumindest im besten Fall so. Das angenehme ist, dass es im Großen und Ganzen relativ wenig Hybris in der Szene gibt und die meisten Beteiligten offen und freundlich miteinander umgehen. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, und generell ist der künstlerische Bereich ein Nährboden für komplexe Persönlichkeiten - uns selbst nicht ausgenommen.


Zur Musik-Szene insgesamt: es ist in Wien leider geläufig, kleinere und unbekannte Bands abzuziehen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen. Das muss sich ändern. Jede Szene ist nur so gut wie ihre Bands und ihre MusikerInnen. Wenn da jemand keine Chance hat etwas auszuprobieren oder wegen geldgierigen Bookern und Veranstaltern schnell die Hoffnung aufgibt ist das schade für alle Beteiligten. Das ist wahrscheinlich auch ein strukturelles Problem.


Nailhead Magazine: Wo würdet ihr gerne mal live spielen?


David: Überall, wo uns die Leute gerne sehen wollen. Wobei das andere Szenario auch toll sein kann. Eine unserer besten Shows war in einer Sporthalle in Bregenz vor ungefähr 8 Leuten, von denen alle extra viel Sicherheitsabstand einhielten. Die Energie war an dem Abend überraschend positiv.


Nailhead Magazine: Habt ihr als Band einen Prozess oder Ritual vor einem Gig, um beispielsweise Nervosität oder Lampenfieber loszuwerden?


David: Meine generelle Tendenz ist es, etwas räumliche Distanz zwischen mich und die Bühne zu bringen. Ich geh dann gerne etwas herum und versuche mich alleine einzustimmen. Ich glaube aber wir gehen da alle relativ ähnlich ran. Einfach etwas runterkommen und sich nicht zu nervös machen. Es gibt keine vorgefertigten Rituale oder Spielchen.


Nailhead Magazine: Habt ihr geplant bald auf Tour zu gehen, sollte sich die momentane Corona Situation stabilisieren?


David: Derzeit sind Shows in Planung, allerdings können wir aufgrund der derzeitigen Situation noch keine Details verraten. Man kann aber auf jeden Fall mit Auftritten von uns im Frühling/Sommer rechnen.


Nailhead Magazine: Wo seht ihr euch auf musikalischer Ebene in den nächsten Monaten?


David: Unsere neue EP ist aufgenommen und bald auf dem Weg zum Presswerk. Der Release wird wahrscheinlich diesen Frühling/Sommer sein. Sonst befinden wir uns gerade in einer kurzen Songwriting Pause, die aber bald wieder vorbei sein dürfte. Dann schreiben wir wahrscheinlich die Songs für das nächste Album, auch da gibt es schon einige Ideen. Auf jeden Fall wird es von uns dieses Jahr noch einiges zu hören geben.



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